Bootssplitter 98
Daß diesmal ein großes Boot ein tiefes Loch in den Radweg geschlagen hat ist ja schon allgemein bekannt :)
Das Ausstellungsstück des Jahres war für mich jedoch das Buddy Inspiration von A.P. Valves.
An jenem Stand war meist auch Dr. Max Hahn zu finden, denn das Gerät verkörpert den Traum vom lautlosen, langen Tauchen in nahezu jeder beliebigen Tiefe. Natürlich kein billiger Spaß, denn das Gerät ist ein computergesteuertes geschlossenes Mischgaskreislauftauchgerät. Betriebsstoffe sind "Atemkalk", Sauerstoff und, je nach vorgesehener Einsatztiefe, Preßluft oder Trimix.
Die Grenzen des Systems sind hauptsächlich durch die notwendige Redundanz gegeben, wenn man bedenkt welche Dekompressionzeiten z.B. ein 4-stündiger 30m-Tauchgang nach sich zieht.
Die Verwendung eines konstanten Sauerstoff-Partialdruckes bedeutet jedoch auch
- eine massive Verkürzung der notwendigen Dekompressionszeiten (40m 40min bedeuten so weniger als 20min Deko)
- einfachere Gasversorgung: die 3l Sauerstofflasche entspricht rein rechnerisch bei 30m Tauchtiefe 26 Füllungen einer 10l 200bar Preßluftflasche, man kann also auch jene Urlaubsorte erschließen wo vor Ort kein Sauerstoff erhältlich ist. In der Praxis verbraucht man innerhalb von 150 Minuten selten mehr als 100 bar Sauerstoff (mal 3 Liter).
- keine Tiefen- oder Tauchzeitbegrenzung durch den Sauerstoff - Partialdruck.
- die Notwenigkeit einer sicheren Regelung, eine unbemerkter Ausfall hätte fatale Folgen.
Die Redundanz wird beim Buddy Inspiration wie folgt realisiert:
- 3 Sauerstoffsensoren
- 2 Regelcomputer, der Taucher wählt aus, welcher das Magnetventil für den Sauerstoff steuert sowie zeitgesteuert warnt wenn der Atemkalk gewechselt werden muß
- manueller Füllgaseinlaß (Preßluft oder Trimix)
- manueller Sauerstoffeinlaß (als Alternative zum Magnetventil)
- Bailoutautomat über den Füllgas geatmet werden kann
- gut erreichbare, fein dosierbare Flaschenventile (als Notabsperrung falls ein Einlaßventil nicht schließt)
Jene Technik erfordert natürlich Taucher mit entsprechender Ausbildung.
Ein Wort zum Thema Ausbildung:
dieses Jahr sah man auf der Boot überall "Nitrox" , sowohl Tauchausrüstungen, Kurse als auch Füllstationen wurden angeboten.
Man sollte sehr darauf achten nicht abgezockt zu werden, es gibt tatsächlich Organisationen, bei denen ist selbst der Ausbilderschein nur auf ein ganz bestimmtes Gerät begrenzt. Da gibt es "Nitrox-Blender", "Atlantis1-Instructoren" etc. anstelle einer gründlichen Allgemeinausbildung, die dazu berechtigt alle einschlägigen Geräte einzusetzen. Wenn man den Typ wechselt muß man sich schließlich nur mit dem neuen Typ vertraut machen, man stelle sich vor: man kauft sich eine neue Tauchausrüstung und muß nun wieder einen Tauchkurs besuchen. Kaum zu glauben, aber einige Nitrox-Tauchorganisationen versuchen auf diesem Weg Kurse zu verkaufen.
Ansonsten war ich von der Boot ziemlich enttäuscht, es hatten noch weniger Händler ihre Kruschkisten mit, so daß Ersatzteile für liebgewonnene Ausrüstungsteile, für mich der Hauptgrund die Boot zu besuchen, praktisch nicht mehr beschaffbar sind. Wer einfach nur Neuausrüstungen suchte konnte freilich einiges finden, aber ohne die Oldtimer, die ihren Ersatzteilbedarf dort decken, fällt die ehrenamtliche Fachberatung zwangsläufig weg.
Sicherheit lag leider auch dieses Jahr nicht im Trend:
- 0,5l Alu-Westenflaschen mit zylindischen Gewinde und 6Jahren TÜV sah man in keiner Auslage
- Jackets waren in der Regel "signalschwarz" oder anderweitig unsichtbar gemacht
- Ohnmachtssicherheit war für viele ein Fremdwort
- Westenflaschen waren meist nicht oder nur gegen Aufpreis anschließbar
- Reserveschaltungen suchte man an vielen Flaschen vergeblich
- Rettungssender für Taucher wurden nicht angepriesen
Karl
©
27.01.98
Karl Kramer
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